Was Tequila-Trinker von Whisky-Liebhabern lernen können: Wenn zwei Spirituosen-Welten verschmelzen
Oder: Wie mein Kollege Robin mir die Augen für die Kunst des Genießens öffnete
Manchmal braucht es einen kreativen Kopf mit einer Whisky-Obsession, um deine eigene Leidenschaft mit neuen Augen zu sehen. Robin, mein geschätzter Arbeitskollege und seines Zeichens Creative Director, ist so einer. Ein Whisky-Nerd durch und durch. Während ich mich durch die Welt der Agavenspirituosen taste, schwingt er sein Nosing-Glas und philosophiert über torfige Islay-Malts und die perfekte Fassreifung.
Doch das Spannende? Wir haben schon öfter zusammen Tequilas verkostet. Und ich muss sagen: Der Mann hat einen besonderen Blick. Einen Sinn für Nuancen, den ich so nur von wenigen kenne. Wo ich „gut“ sage, findet er Karamell-Fäden, die sich durch Vanille-Nebel ziehen. Wo ich „rauchig“ schmecke, entdeckt er ganze Landschaften aus verkohlter Eiche und süßem Toffee.
Und jetzt hat Robin etwas Geniales gemacht: Er hat seinen eigenen Whisky-Blog ins Netz gestellt – whisip.com. Aber wartet, bevor ihr jetzt denkt „Ach, noch so ein Herrenzimmer-Blog mit Tweed und Pfeife“ – whisip ist anders. Robin verkostet subjektiv, ehrlich, ohne Attitüde. Und dann – und das ist der Clou – lässt er eine KI seine Geschmackseindrücke in Auras übersetzen. Visuelle Kunstwerke, die zeigen, wie ein Whisky schmeckt. Nicht nur beschreiben. Sondern sehen. Taste the aura. Ziemlich lässig, oder?
Als ich durch seine Tastings scrollte, fiel mir etwas auf: Da war ein Ardnamurchan /AD Mezcal Cask Release – „Der Schotte trägt Sombrero“. Ein schottischer Whisky, gereift in Mezcal-Fässern. Die Welten verschmelzen. Und genau da wurde mir klar: Wir Tequila- und Mezcal-Liebhaber können verdammt viel von den Whisky-Nerds lernen.
1. Fassreifung ist nicht nur ein Detail – es ist die halbe Magie
Whisky-Trinker wissen es längst: Das Holz macht die Musik. Ob Sherry-Fass, Bourbon-Fass oder experimentelle Finishes in Port- oder eben Mezcal-Fässern – die Fassreifung prägt den Geschmack maßgeblich. Robin würde jetzt von Wood Management sprechen.
Für uns Tequila-Trinker bedeutet das: Ein Reposado, der 2 Monate in amerikanischer Eiche geschlummert hat, ist nicht einfach nur „gereift“. Er hat Vanille aufgesogen, Karamell-Noten entwickelt, vielleicht sogar einen Hauch von Toffee oder Holzrauch mitgenommen. Ein Añejo (mindestens ein Jahr im Fass) oder Extra Añejo (mindestens drei Jahre) ist eine völlig andere Persönlichkeit als der frische, klare Blanco.
Die Lektion: Achte darauf, in welchen Fässern dein Tequila gereift ist. Gebrauchte Bourbonfässer? Dann erwarte süßliche, warme Noten. Cognac-Fässer? Fruchtiger, eleganter. Das Holz ist nicht nur Behälter – es ist Geschmacksarchitekt.
2. Aromenvielfalt: Öffne deinen Gaumen für neue Welten
Während wir Tequila-Fans oft von „der Seele der Agave“ schwärmen – frisch, erdig, blumig, manchmal pfeffrig – haben Whisky-Kenner ein Arsenal an Geschmacksnuancen parat. Torf, Leder, Trockenfrüchte, Kräuter, Gewürze, Schokolade, sogar Meer und Salz.
Robin beschreibt einen Laphroaig 10 als „Die flüssige Notaufnahme“ – voller Rauch, Jod und Torf. Einen Glencadam Reserva PX nennt er „Die flüssige Praline“ – süß, cremig, verführerisch.
Die Lektion: Wenn du einen gereiften Tequila verkostest, such nicht nur nach Agave. Such nach den Schichten darunter. Nach dem Holz. Nach den Gewürzen. Nach den Früchten. Ein Extra Añejo kann so komplex sein wie ein guter Scotch – wenn du bereit bist, genau hinzuschmecken.
3. Sipping Culture: Tequila ist kein Shot-Opfer
Seien wir ehrlich: Tequila hat ein Image-Problem. Salz, Zitrone, runterkippen. Aber das ist, als würdest du einen 18-jährigen Single Malt in Red Bull kippen. Es tut weh, nur daran zu denken.
Von Whisky-Liebhabern können wir lernen, wie man einen hochwertigen Spirit wirklich genießt: Pur. Mit Zeit. Mit Ruhe. Vielleicht mit einem kleinen Schluck Wasser, um die Aromen zu öffnen. Oder mit einem großen Eiswürfel, der langsam schmilzt und den Tequila sanft öffnet, ohne ihn zu betäuben.
Robin verkostet „Meistens mit ein wenig dunkler Schokolade. Immer mit einem Glas Wasser. Und oft mit meiner Frau.“ Das ist keine Wissenschaft. Das ist Genuss.
Die Lektion: Ein Extra Añejo Tequila verdient die gleiche Ehrfurcht wie ein guter Whisky. Nimm dir Zeit. Lass ihn atmen. Schmecke die Jahre, die er im Fass verbracht hat.
4. Terroir & Herkunft: Die Heimat schmeckt man
Whisky-Trinker wissen, dass Roggen würziger ist als Mais, der süßer schmeckt. Dass gemälzte Gerste malzig-weich wird. Und dass die Region (Islay vs. Speyside vs. Highland) den Charakter prägt.
Für Tequila gilt das genauso: Agaven aus dem Hochland (Los Altos) sind süßer, fruchtiger, blumiger. Agaven aus dem Tiefland (Valles) sind erdiger, kräftiger, mineralischer. Das ist das mexikanische Terroir – die Seele der Landschaft, eingefangen in der Flasche.
Die Lektion: Frag nicht nur, ob es ein Añejo ist. Frag, woher die Agaven kommen. Frag nach dem Terroir. Die Herkunft erzählt die halbe Geschichte.
5. Das richtige Glas: Form folgt Funktion
Whisky-Kenner schwören auf das Glencairn-Glas – bauchig, tulpenförmig, nach oben verjüngt. Warum? Weil es die Aromen bündelt und direkt zur Nase leitet. Ein breites Glas lässt die Aromen verfliegen, bevor du sie wahrnehmen kannst.
Und rate mal: Das gilt genauso für gereiften Tequila. Ein Nosing-Glas oder ein Tulpenglas hilft dir, die feinen Nuancen eines Añejo oder Extra Añejo zu entdecken, anstatt sie in einem breiten Tumbler zu verlieren.
Die Lektion: Investiere in anständige Gläser. Deine Nase – und dein Gaumen – werden es dir danken.
Die Brücke zwischen den Welten: Añejo Tequila und Bourbon
Hier wird es richtig spannend: Viele Añejo Tequilas reifen in gebrauchten Bourbonfässern. Das Holz hat bereits Vanille, Karamell und süße Toffee-Noten abgegeben – und gibt sie nun an den Tequila weiter. Das Ergebnis? Ein Spirit, der fast whiskylike schmeckt.
Für Tequila-Liebhaber, die nach Vanille- und Karamellnoten suchen, ist der Schritt zum Whisky oft klein. Und umgekehrt: Whisky-Trinker, die einen guten Añejo probieren, fühlen sich sofort zuhause.
Robin hat es mit seinem Mezcal-Cask-Whisky bewiesen: Die Welten sind näher, als wir denken. Und die Reise zwischen ihnen? Verdammt lecker.
Mein Fazit: Lass dich inspirieren
Robin hat mir gezeigt, dass es nicht darum geht, welche Spirituose „besser“ ist. Es geht darum, mit offenen Sinnen zu genießen. Die Geschichten zu hören. Die Aromen zu entdecken. Und sich gegenseitig zu inspirieren.
Wenn du das nächste Mal einen gereiften Tequila in der Hand hast, denk wie ein Whisky-Kenner. Rieche. Schmecke. Entdecke. Und wenn du Lust hast, schau mal bei whisip.com vorbei – dort kannst du sehen, wie Robin die Aromen eines Whiskys in Farben und Auras verwandelt. Vielleicht inspiriert es dich, deine nächste Tequila-Verkostung mit neuen Augen – oder besser gesagt: mit neuer Zunge – zu erleben.
Und wer weiß: Vielleicht gibt es bald auch eine Tequila-Aura. Bis dahin: Salud, Robin. Und Sláinte.
Unser Fazit: Die beste Lektion ist die, die von einem Freund kommt. Danke, Robin – für den neuen Blick auf die Welt der Spirituosen. Und für den richtig coolen Blog.