MAYACIEL Margarita Spritz: Die spritzigste Margarita unter der Sonne
Ich muss hier mal was gestehen: Ich bin kein Spritz-Typ. Wirklich nicht. Immer wenn irgendwo ein orange-blasses Glas mit halbem Obstsalat drin über den Tisch geschoben wird, wandert mein Blick automatisch zur Agavenflasche im Regal. Puristenkram, ich weiß.
Aber gut. Die Jungs von MAYACIEL kenne ich jetzt schon eine Weile – Jonas und Christoph, die beiden, die vor ein paar Jahren angetreten sind, um dem deutschen Tequila-Image das rote Hütchen aus der Hand zu schlagen. Und wenn diese zwei mir sagen: „Hier, probier das mal“, dann hab ich in den letzten Jahren gelernt, dass es sich lohnt, den Puristen kurz in die Ecke zu stellen und einfach zu trinken.
Also: MAYACIEL Margarita Spritz. Und ich hab dem Ganzen tatsächlich eine Chance gegeben.



Der Test: Ein Spritz braucht einen Partner, keinen Mitbewohner
Flasche auf. Und schon beim Einschenken merke ich: Hier hat jemand nachgedacht. Kein Neon-Orange, kein künstlicher Bonbon-Duft, der einem entgegenspringt. Stattdessen Limette, echte Agave, und darunter dieser leicht salzige Zug, der bei einer richtigen Margarita ja eigentlich am Glasrand sitzt. Hier ist er mit in die Flasche gewandert.
Ich hab erst mal pur probiert, auf Eis. 24 % Vol. – das ist kein Spielzeug, das ist ein Cocktail. Und dann kam der Moment der Wahrheit: der Spritz.
Und jetzt reden wir kurz über den Filler. Denn genau da entscheidet sich, ob so ein Drink funktioniert oder ob er verwässert im Glas herumsteht. Ein Spritz ist keine Verdünnung. Der Sprudel soll den Drink öffnen, ihm Luft geben, die Aromen nach oben tragen – aber sich um Himmels Willen nicht selbst in den Vordergrund drängeln.
Ich habe das Soda Water von Thomas Henry genommen, und das war eine gute Entscheidung. Das Zeug wurde gemeinsam mit Bartendern entwickelt und besteht im Wesentlichen aus natürlichem Mineralwasser, Kohlensäure und einer Prise Natriumhydrogencarbonat. Das war’s. Keine Bitterkeit, keine Süße, neutrale Säure. Was drin ist: eine außergewöhnlich feine Perlage, die einfach nicht aufgibt, und ein klares, leicht mineralisch-salziges Mundgefühl. Die Marke selbst sagt dazu einen Satz, den ich mir gemerkt habe:
„Manchmal entscheidet nicht, was drin ist, sondern was bewusst weggelassen wurde.“
Und genau das ist der Punkt. Klassisches Mineralwasser bringt seinen eigenen wilden Mix an Mineralien mit – Calcium hier, Magnesium da – und der kann dir einen fein gebauten Drink kippen. Das Thomas Henry ist dagegen bewusst komponiert: saubere Struktur, null Eigenaroma. Es tut das, was ein guter Filler tun soll: Es macht dem Tequila Platz. Und mit dem salzig-mineralischen Unterton spielt es dem Salz im Margarita Spritz auch noch elegant in die Hände. Das passt zusammen wie zwei Leute, die schon lange in derselben Band spielen.
Und wenn du gerade keins zur Hand hast? Kein Drama. Geh in den Getränkemarkt und frag ganz einfach nach einem Wasser mit viel Sprudel und wenig Eigengeschmack – genau so kannst du das sagen, die Leute dort wissen sofort, was du meinst. Ein knackig-spritziges, möglichst neutrales Wasser mit kräftiger Kohlensäure ist ein absolut brauchbares Substitut und in zwei Minuten besorgt. Wichtig sind nur zwei Dinge: Es muss richtig prickeln, und es darf nicht mitreden wollen. Alles, was schon pur nach „Charakter“ schmeckt, lässt du im Regal stehen.

Mein Verhältnis im Glas: großzügig Eis, ein Teil Margarita Spritz, ein Teil Soda, eine Limettenscheibe rein. Fertig. Kein Shaker, kein Jigger, keine Ausrede.
Und dann? Dann sitzt du da mit einem Glas in der Hand, das erstaunlich wenig nach Fertigprodukt und erstaunlich viel nach Bar schmeckt. Kein Wunder – kuratiert wurde das Ganze mit Sven Riebel, dem Mann hinter der Bar „THE TINY CUP“ und Gastgeber des Jahres. Man merkt, dass hier jemand am Werk war, der weiß, wie ein Drink sich anfühlen muss.
Der Spritz, der einen Puristen umgedreht hat
Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich mein Geständnis von oben revidieren muss.
Denn der MAYACIEL Margarita Spritz macht genau das, was 95 % der fertigen Drinks im Regal nicht schaffen: Er schmeckt nicht wie ein Kompromiss. Man findet die Agave. Man findet die Limette. Und man findet dieses Salz, das dem Ganzen die kleinen Ecken und Kanten gibt, an denen die Zunge kurz hängenbleibt – und genau das macht den Unterschied zwischen einem Drink, den man trinkt, und einem Drink, an den man sich erinnert.
Das liegt daran, dass die Basis stimmt. Unter all der Spritzigkeit steckt der MAYACIEL Tequila Blanco, 100 % blaue Agave aus Jalisco, gebrannt mit der Familie Partida in der Destilería Hacienda de Oro. Keine Zusätze, keine Farbstoffe, die Süße kommt aus Agavendicksaft. Und da schließt sich der Kreis zu Jonas und Christoph: Diese beiden sind vor Jahren angetreten, um dem Tequila in Deutschland seine Würde zurückzugeben – und jetzt bauen sie einen Ready-to-drink, der das gleiche Versprechen einhält. Das ist konsequent. Das mag ich.
700 ml, 24 % Vol., 29,90 €. Rechne das mal auf die Gläser runter, die du daraus bekommst. Für einen Drink, der aus einer echten Bar-Rezeptur kommt, ist das ehrlich gerechnet.
Wer sollte zugreifen? Alle, die Freunde einladen und nicht den halben Abend am Shaker verbringen wollen. Alle, die eine Terrasse, einen Balkon oder auch nur ein Fenster mit Abendsonne haben. Und ganz besonders: alle, die – so wie ich – dachten, sie hätten mit Spritz nichts zu schaffen.
Unser Urteil: Ich bin kein Spritz-Typ. Aber diese Flasche steht jetzt in meinem Kühlschrank.
Und das ist, glaub mir, das größte Kompliment, das ich zu verteilen habe.